Kaffeemaschinen: Für ein paar Bohnen mehr
Im wunderschönen Italien erhält man den perfekten Espresso an fast jeder Straßenecke. Bei uns in Deutschland verlegt sich diese Angelegenheit zunehmend nach Hause: Intelligente Maschinen zaubern dort letzten Endes Kaffee, der glücklich macht. Die Zeit ist jedoch reif für eine kleine Kulturrevolution. Kaffee ist hinter Erdöl das meistgehandelte Erzeugnis auf diesem Planeten, und wir haben ihn viel zu lange einfach in uns hineingeschüttet wie Benzin in unsere Automobile. In diesen Tagen kann man das Angebot, kurz noch auf einen Kaffee mit hochzukommen, ohne Bedenken annehmen: Der Kaffee am folgenden Morgen wird aller Wahrscheinlichkeit nach trinkbar sein. Ausgestorben sind Filterkannen wie bei der geliebten Mama und die betagten vollautomatischen Ungetüme, in denen unter leidgeprüftem Ächzen und Würgen nur vorgetäuscht Kaffee zermahlen und gebrüht, in Wirklichkeit aber alte Socken ausgewrungen wurden. Diese Modelle findet man heutzutage überwiegend in Büros oder Großküchen. Wer sich ihrer Dienste annimmt, will es halt nicht besser haben. Oder wahrscheinlich haben jene Kollegen bereits suchtartigen Gefallen an dem süßen Milchimitat gefunden, welches das Entsetzen des herausschießenden Kaffeeimitats wirksam zu übertünchen weiß. Wie ein Magen dieses dauerhaft aushalten soll, bleibt ein Mysterium. Ungelogen hat der bekannte Wiener Kaffeeprofessor Leopold Edelbauer in einer seiner Studien begewiesen, dass der Kaffee aus typischen Büroapparaten bis zu zehnmal höhere Koffeinwerte als die angeratene Menge enthält, dazu ein Überfluss an Reiz- und Bitterstoffen. Fabelhaft, werden manche sagen, ich möchte sowieso nur schnell putzmunter und wach werden. Gerade dann gibt es aber überhaupt nichts Besseres als einen ordentlichen Espresso, gewonnen aus einer Handvoll zufriedener Arabica-Bohnen. Koffein ist eben nicht eine Angelegenheit der höchsten, sondern der idealen Dosis: Wer sich zu reichlich von diesem Alkaloid einverleibt, erzielt Nervosität, schwitzige Hände und Magenschmerzen. Auf der anderen Seite kann die Substanz, wie bekannt ist, einen glückselig machenden Effekt entfalten. Kaffee besteht eben auch aus Wissenschaft. Der bekannte Triester Dottore Ernesto Illy , der nicht durch Zufall Chemiker von Beruf war, hat einmal geäußert, man könne in 30 Dingen Fehler begehen, bevor eine Tasse mit anständigem Espresso auf dem Tisch steht. Dazu gehören die falschen Bohnen, die falsche Röstung, ein verfehlter Mahlgrad und bei der Maschine inkorrekte Dosierung, zu hoher (oder zu niedriger) Druck, zu hoher Wärmegrad und zu ausgedehnte Durchlaufzeit. Dass man nun alles korrekt machen und dessen ungeachtet noch zwei oder drei Dinge vergessen kann, sprengt bei den meisten aber die Hingabe zur Sache, vor allem früh am Morgen in der eigenen Küche. In diesem Punkt hat der Nestlé-Konzern die beträchtliche Marktlücke erkannt. Die engagierten Schweizer waren mit Nespresso zwar nicht der Primus bei portioniertem Premiumkaffee (das war vermutlich Lavazza), aber diejenigen mit der größten Beharrlichkeit, einen ganzen schlafenden Weltmarkt aufzuwecken. In Zusammenarbeit mit der Elektroindustrie wurden puristische, erschwingliche Maschinen designt, die keine Wohnung verschandeln und alle Voraussetzungen für eine perfekte Tasse erfüllen. Kleiner Hinweis für den Hobbykaffeekenner: Den Kaffee kann man schon nach wenigen Augenblicken des Abkühlens genießen – er ist nicht heißer als nötig. Im Kontrast zu einer erstklassigen Espressomaschine für Profis, die einiges an Instandhaltung und profundes Wissen in der Bedienung erfordert, sind Systemmaschinen à la Nespresso so einfach wie ein Fernseher zu bedienen, allein dass es nicht so viele Programme gibt. Neulich wurde eine derartige Maschine sogar in einem englischen Landgasthof entdeckt, bis vor Kurzem noch der letzte Fleck auf Erden, an dem mit tadellosem Kaffee zu rechnen war. Dies ist durchaus als Kulturleistung zu begreifen, denn anständiges Essen und passender Kaffee gehen Hand in Hand.